Gerüst für die Solaranlage: Pflicht, Art, Kosten
Wann bei der PV-Montage ein Gerüst nötig ist, ob Seitenschutz oder Dachfanggerüst, wer es bestellt, was es kostet und wann der Nullsteuersatz gilt.
Kurz gesagt
Bei der Montage einer Solaranlage auf einem Wohnhaus ist praktisch immer eine Absturzsicherung an den Dachkanten nötig, meist ein Gerüst. Bei geneigten Dächern ist das ein Dachfanggerüst, bei flachen Dächern ein Seitenschutz. Verantwortlich dafür ist der Montagebetrieb als Arbeitgeber. Rechnet er das Gerüst als Teil der PV-Lieferung ab, fällt darauf wie auf die Anlage selbst keine Umsatzsteuer an.
Ab wann eine Absturzsicherung Pflicht ist
Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.1 verlangt auf Baustellen Absturzsicherungen bei mehr als 2,00 m Absturzhöhe. Eine Ausnahme bis 3,00 m gibt es nur für Dächer bis 22,5° Neigung mit höchstens 50 m² Grundfläche und besonders unterwiesene Fachkräfte; für die meisten Einfamilienhausdächer greift sie nicht.
Schutzmaßnahmen folgen einer festen Rangfolge: erst technische Absturzsicherungen wie Gerüst oder Seitenschutz, dann Auffangeinrichtungen, und nur wenn beides nicht geht, persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz. Nach Angaben der BG BAU darf diese bei Dacharbeiten grundsätzlich nicht verwendet werden, nur in Ausnahmefällen bei kurzen Arbeiten.
Seitenschutz oder Dachfanggerüst?
Entscheidend ist die Dachneigung:
- Dach bis 22,5° Neigung (Flachdach, flach geneigtes Dach): Seitenschutz an den Dachkanten, etwa als Geländer am Gerüst oder als Seitenschutzsystem.
- Dach über 22,5° bis 60° (übliches Satteldach): Dachfanggerüst oder Dachschutzwand an der Traufe. Ist der Abstand zwischen Arbeitsplatz und Auffangeinrichtung größer als 5 m, sind zusätzliche Dachschutzwände nötig.
- Dachfanggerüst und Dachschutzwand müssen den Arbeitsbereich seitlich um mindestens 1,0 m überragen.
- Gesichert werden alle Dachkanten, auch Ortgang und Giebelseiten, nicht nur die Traufe.
- Für Zugang und Materialtransport empfiehlt die Handlungshilfe von BG BAU und Dachdeckerverband Treppenturm und Anstellaufzug statt Anlegeleitern.
Wer das Gerüst bestellt
Nach dem Arbeitsschutzgesetz muss der Arbeitgeber die nötigen Schutzmaßnahmen für seine Beschäftigten treffen, also der Montagebetrieb. In der Praxis bestellt der Solarbetrieb das Gerüst meist selbst bei einem Gerüstbauer und rechnet es mit ab. Arbeiten mehrere Firmen gleichzeitig auf der Baustelle, etwa Dachdecker und Solarteur, muss der Bauherr nach der Baustellenverordnung einen Koordinator bestellen.
Bei Angeboten lohnt der Blick, ob die Absturzsicherung enthalten ist. Die Handlungshilfe der BG BAU nennt als Prüfpunkt, dass das Angebot die Bedingungen vor Ort berücksichtigt: sicheren Zugang und Absturzsicherungen.
Was das Gerüst kostet
Satteldach, Module auf einer Dachseite: Gerüst an einer Traufseite (12 m, Traufhöhe etwa 7 m) mit Dachfang-Schutzwand, bis 4 Wochen, auf dem Grundstück
| Fassadengerüst an der Traufseite84 m² | 760 bis 1.180 € |
| Dachfanggerüst mit Schutzwand12 lfm | 140 bis 240 € |
| Anfahrtpauschal | 150 bis 250 € |
| Summe (Richtwert) | 1.050 bis 1.670 € |
Richtwerte netto, Stand Oktober 2026; rechnet der Solarbetrieb das Gerüst mit der Anlage ab, gilt 0 % MwSt. (siehe unten), sonst 19 %. Seitenschutz an den Giebelseiten, Treppenturm oder Aufzug nach Angebot. Bei kleinen Gerüsten kann ein Mindestauftragswert greifen.
Nullsteuersatz: Gerüst ohne Umsatzsteuer?
Seit 2023 gilt für die Lieferung von Photovoltaikanlagen auf oder in der Nähe von Wohngebäuden ein Umsatzsteuersatz von 0 %. Das Bundesfinanzministerium zählt die Bereitstellung von Gerüsten ausdrücklich zu den Nebenleistungen der Anlagenlieferung. Rechnet also der Solarbetrieb das Gerüst mit der Anlage ab, gilt auch dafür der Nullsteuersatz.
Beauftragen Sie den Gerüstbauer selbst und getrennt von der Anlage, ist das nicht ausdrücklich geregelt; separat beauftragte Arbeiten am Dach werden in den Beispielen des Ministeriums mit dem Regelsteuersatz besteuert. Klären Sie das im Zweifel mit Ihrer Steuerberatung, bevor Sie getrennt beauftragen.
Häufige Fragen
Braucht man für eine Solaranlage immer ein Gerüst?+
Fast immer. Ab mehr als 2 m Absturzhöhe ist eine Absturzsicherung Pflicht, und die geht technischen Lösungen wie Gerüst oder Seitenschutz vor Sicherungsgurten vor. Die Ausnahme bis 3 m gilt nur für flache Dächer bis 50 m² und passt selten.
Wer muss das Gerüst bezahlen?+
Das regelt der Vertrag. Meist bestellt der Solarbetrieb das Gerüst und rechnet es mit der Anlage ab. Achten Sie im Angebot darauf, dass die Absturzsicherung enthalten ist.
Fällt auf das Gerüst Mehrwertsteuer an?+
Wenn der Solarbetrieb es als Teil der Anlagenlieferung abrechnet, nicht: Das Bundesfinanzministerium zählt Gerüste zu den Nebenleistungen, für die der Nullsteuersatz gilt. Bei getrennter Beauftragung ist das nicht ausdrücklich geregelt.
Reicht ein Dachfanggerüst nur an der Traufe?+
Nicht immer. Gesichert werden müssen alle Dachkanten, auch Ortgang und Giebelseiten. Die Schutzwand muss den Arbeitsbereich seitlich um mindestens 1 m überragen.
Darf auf Asbestzementdächern montiert werden?+
Nein. Laut Handlungshilfe von BG BAU und Dachdeckerverband ist die Montage von Photovoltaikanlagen auf Asbestzementdächern nach Gefahrstoffverordnung verboten.
Weiterlesen
- Dachgerüst und Dachfanggerüst →
- Was kostet ein Gerüst für ein Einfamilienhaus? →
- Gerüstbau in Falkensee (Beispiel Solaranlage) →
Quellen (Stand Oktober 2026)
- BAuA: ASR A2.1 Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen (PDF)
- DGUV Information 201-054: Dach-, Zimmer- und Holzbauarbeiten (PDF)
- BG BAU Baustein C 345: Dacharbeiten, Absturzsicherungen (PDF)
- BG BAU u. a.: Sichere Montage von Photovoltaikanlagen (PDF)
- Arbeitsschutzgesetz § 3
- Baustellenverordnung § 3
- BMF: FAQ Photovoltaikanlagen
- BMF-Schreiben vom 30.11.2023 zum Nullsteuersatz (PDF)
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